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Lignin
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top
Lignine (lateinisch lignum âHolzâ) bilden eine Gruppe phenolischer MakromolekĂŒle (Biopolymeren), die sich aus verschiedenen Monomerbausteinen zusammensetzen. Es sind feste Biopolymere, die in die pflanzliche Zellwand eingelagert werden; dadurch bewirken sie die Verholzung der Zelle (Lignifizierung). Etwa 20 bis 30 Prozent der Trockenmasse verholzter Pflanzen (= der Holzzellwandsubstanz) bestehen aus Ligninen; damit sind sie neben der Cellulose und dem Chitin die hĂ€ufigsten organischen Verbindungen der Erde. Die Gesamtproduktion der Lignine wird auf etwa 20 Milliarden Tonnen pro Jahr geschĂ€tzt.cite-ref-sitte-353-3-0[3]
Lignine sind wesentlich fĂŒr die Druckfestigkeit und BestĂ€ndigkeit pflanzlicher Gewebe; so ist die Evolution der landlebenden Pflanzen und vor allem der BĂ€ume sehr eng mit der Bildung von Lignin verknĂŒpft. Nur mit Lignin können Pflanzen Festigungselemente ausbilden, welche die StabilitĂ€t gröĂerer Pflanzenkörper auĂerhalb des Wassers gewĂ€hrleisten. Im Wasser sorgt die im VerhĂ€ltnis geringe Dichte fĂŒr den statischen Auftrieb.cite-ref-4[4]
Contents
âą Funktion
âą Eigenschaften
âą Ligninanteile
âą Xylemverholzung
âą Biosynthese
âą Ligninsynthese
âą Ligninabbau
âą Verwendung
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Funktion
Lignin hat als StĂŒtzmaterial und verhĂ€rtetes Polymer eine Reihe wichtiger Aufgaben fĂŒr die Pflanze. Lignine sind wesentlich fĂŒr die Festigkeit pflanzlicher Gewebe, vor allem fĂŒr ihre Druckfestigkeit, wĂ€hrend die eingelagerten Cellulosefasern die Zugfestigkeit gewĂ€hrleisten. ReiĂfeste, biegsame Fasern (Cellulose) werden also von einem dichten und starren Polymer als FĂŒllmaterial (Lignin) durchdrungen.cite-ref-sitte-95-5-0[5] Als Analogien sind technische Materialien wie Stahlbeton oder naturfaserverstĂ€rkter Kunststoff entsprechend aufgebaut.
Pflanzen ohne Lignin können durch die Cellulose zwar betrĂ€chtlichen ZugkrĂ€ften standhalten, gegenĂŒber Druck sind sie dagegen empfindlich. Ohne Lignin können keine Festigungselemente ausgebildet werden, die bei fehlendem Auftrieb durch das Wasser die StabilitĂ€t gröĂerer Pflanzenkörper gewĂ€hrleisten und entsprechende Tragestrukturen entgegen der Druckwirkung durch die Gewichtskraft aufbauen. Die Ausbildung von Verzweigungen und Astsystemen zur Schaffung groĂer photosynthetisch wirksamer FlĂ€chen kann nur durch eine Stabilisierung der Ăste erfolgen.cite-ref-raven-38-6-0[6]
AuĂerdem dient Lignin als Kittmaterial fĂŒr den Zellverbund ĂŒber die Mittellamelle. Es bietet Schutz gegen Eindringen von Wasser in das Zellwandmaterial und hĂ€lt dieses somit in den LeitgefĂ€Ăen (Xylem und Phloem) sowie im Innern der Zellen. Weitere Schutzwirkung besteht gegenĂŒber UV-Licht sowie mechanischer BeschĂ€digung und dem Eindringen von SchĂ€dlingen. SchlieĂlich kann Lignin nur schwer von Bakterien bzw. Pilzen abgebaut werden und hemmt infolgedessen das Wachstum pathogener Mikroorganismen passivcite-ref-pbc-7-0[7] sowie aktiv durch den Aufbau von Wundlignin in Bereichen mit mechanischer BeschĂ€digung.cite-ref-raven-38-6-1[6] Eine Ă€hnliche Struktur mit einem analogen Aufbau stellt das Suberin dar, das vor allem in den ZellwĂ€nden des Phellems (Kork) vorkommt.
Die Evolution der landlebenden Pflanzen und vor allem der BĂ€ume ist eng mit der Ligninbiosynthese verknĂŒpft: Das Lignin ist erst mit dem Auftreten dieser Pflanzen als echtes Lignin anzutreffen, wĂ€hrend in ursprĂŒnglicheren Pflanzen wie GrĂŒnalgen nur die Bausteine oder lignin-Ă€hnliche Polymere vorhanden sind.cite-ref-8[8] Die aktuelle Annahme ist, dass Lignin eine Neuentwicklung und damit ein gruppenbegrĂŒndendes Merkmal (Autapomorphie) der GefĂ€Ăpflanzen darstellt.cite-ref-raven-398-9-0[9] Wahrscheinlich konnte es sich zuerst als Abwehrstoff gegenĂŒber Pilzinfektionen in Form von Wundlignin etablieren und nahm darauf aufbauend die zentrale Funktion als Stabilisationsmaterial ein.cite-ref-raven-38-6-2[6] 2009 konnte allerdings auch in Rotalgen der Art Calliarthron cheilosporioides Lignin nachgewiesen werden.cite-ref-10[10] Dies wirft die Frage auf, ob es entweder konvergent sowohl bei den höheren Pflanzen als auch bei den Rotalgen entstanden ist, oder vielleicht bereits frĂŒh in der Entwicklung der Eukaryoten auftauchte und bei anderen Organismen wieder verschwunden ist.
Eigenschaften
Lignin ist sehr fest bis spröde und hell- bis dunkelbraun gefÀrbt. Es ist optisch isotrop, UV-Licht wird von dem Material fast vollstÀndig absorbiert, sichtbares Licht zum Teil.
Allerdings ist Lignin keine einheitliche Substanz, sondern eine Gruppe phenolischer MakromolekĂŒle, die sich aus verschiedenen Monomerbausteinen zusammensetzen. Dabei wird durch die Kombination Ă€hnlicher GrundmolekĂŒle eine dicht vernetzte, amorphe Masse aufgebaut. Die Struktur besitzt im Vergleich zu Polysacchariden wesentlich weniger polare Gruppen, wodurch Lignine hydrophob und damit in Wasser und vielen anderen Lösungsmitteln nicht löslich sind. Aus diesem Grund sind sie biologisch wie chemisch schwerer abbaubar als andere natĂŒrliche Stoffe.
Struktur und Zusammensetzung des Lignins
Lignine sind dreidimensionale und amorphe Netzwerke (Polymere) aus aromatischen Grundbausteinen, die in vielfĂ€ltiger Form miteinander verknĂŒpft sind. Neben aromatischen Bindungen enthalten sie viele weitere Kohlenstoff-Kohlenstoff-Einfach- und Doppelbindungen, zudem kommen viele phenolische Gruppen vor.
Es sind höhermolekulare (relative MolekĂŒlmasse etwa 5000â10000) Abkömmlinge der Phenylpropanoide, die als Substituenten des Benzolrings neben einer Propankette eine OH- bzw. Hydroxygruppe, ein oder zwei OCH3- bzw. Methoxy- sowie verschiedene Restketten (Alkoxy- oder Aryloxy-Gruppen) enthalten.cite-ref-faix-11-0[11] Da die MakromolekĂŒle allerdings in alle Raumrichtungen wachsen, wobei besonders die Mittellamellen eine starke Ausdehnung ermöglichen und auch sekundĂ€r miteinander verkettet sind, entspricht die Ligninmasse bei einem ausgewachsenen Baum zuletzt wahrscheinlich einem einzigen Lignin-PolymermolekĂŒl, dessen Masse dann mehrere Tonnen betrĂ€gt.cite-ref-sitte-95-5-1[5]
AbhĂ€ngig von der Holzart setzt es sich aus Strukturen zusammen, welche auf die Basisbausteine p-Cumarylalkohol, Coniferylalkohol und Sinapylalkohol (Monolignole) zurĂŒckzufĂŒhren sind (siehe Biosynthese). Da das Lignin in einem radikalischen Prozess entsteht, bei dem die Radikalbildung enzymatisch erfolgt, aber nicht deren Weiterreaktion, sind die Zusammensetzung und die Anteile der einzelnen Bausteine stark variabel; eine gerichtete VerknĂŒpfung nach einem immer gleichen Schema existiert nicht.cite-ref-sitte-353-3-1[3] Neben der VariabilitĂ€t jedes einzelnen LigninmolekĂŒls unterscheidet sich zudem das Lignin verschiedener Holz- bzw. Pflanzenarten durch die Anteile der Alkohole bzw. der davon abgeleiteten Phenylreste: Nadelholz-Lignin enthĂ€lt ĂŒberwiegend Coniferyl-Einheiten (etwa 90 Prozent), die einen Guajacylrest (3-Methoxy-4-hydroxy-phenylrest) besitzen und daher als G-Lignin bezeichnet wird. Laubholzlignin enthĂ€lt wechselnde Anteile von Guajacylresten und Sinapyl-Elemente, die einen Syringylrest (3,5-Methoxy-4-hydroxy-phenylrest) enthalten. Der Syringylanteil kann zwischen 5 und 65 Prozent betragen, die resultierenden Lignine werden als GS-Lignin bezeichnet. Das Lignin der teilweise verholzten GrĂ€ser und anderer EinkeimblĂ€ttriger zeichnet sich durch einen hohen Anteil von etwa 15 bis 35 Prozent Cumaryl-Elementen aus, die das para-Hydroxy-Phenylpropan bilden und gemeinsam mit einem Syringylanteil in gleicher Höhe und einem Guajacylanteil von 50 bis 70 Prozent die HGS-Lignine bilden.cite-ref-faix-11-1[11] In geringen Mengen werden zudem ZimtsĂ€uren und Zimtaldehyde (die Ausgangsstoffe der Basis-Alkohole) in die Matrix integriert.cite-ref-schopfer-33-12-0[12]
In der Analytik sind verschiedene Nachweisreaktionen fĂŒr Lignin bekannt, die auf dem Aufbau des Stoffes beruhen. Zur Feststellung der Anwesenheit von Lignin kommt es zu einer RotfĂ€rbung durch salzsaure Phloroglucinlösung. Diese Reaktion geht auf die in die Ligninmatrix eingebetteten Zimtaldehyde zurĂŒck.cite-ref-schopfer-33-12-1[12] Durch die unterschiedliche Zusammensetzung der Lignine in Nadelhölzern und Laubhölzern kann durch die unterschiedliche FĂ€rbung, die mit diesem Nachweis erreicht wird, zwischen den beiden Holztypen unterschieden werden. Nadelhölzer fĂ€rben sich hierbei kirschrot, Laubhölzer rotviolett. AuĂerdem ist eine GelbfĂ€rbung mit Anilin/SchwefelsĂ€ure und eine ViolettfĂ€rbung mit Schiffschem Reagenz möglich. Zur qualitativen Analyse wird vor allem die Gaschromatographie eingesetzt. Der Lignin-Anteil wird mit dem Klason-Verfahren bestimmt, bei dem die Polysaccharide durch eine zweistufige SĂ€urehydrolyse abgebaut und der verbleibende Ligninrest anschlieĂend gewogen wird (Klasen-Lignin). Bei GS-Ligninen ist anschlieĂend eine UV-Spektroskopie der SĂ€urelösung notwendig, da diese sĂ€urelösliche Anteile des Lignins enthĂ€lt.cite-ref-faix-11-2[11]
Ligninanteile
| | Hexosen (Cellulose) | Pentosen (Hemicellulosen) | Lignine |
|---|---|---|---|
| Nadelholz | 57â60 | 0 7â11 | 27â32 |
| Birkenholz | 45â47 | 21â27 | 19â20 |
| Buchenholz | 50â54 | 19â24 | 22â23 |
| Weizenstroh | 35â39 | 22â24 | 18â25 |
| Maisspindeln | 37â44 | 32â35 | 15â19 |
| Bagasse | 42â50 | 29â42 | [00] 16â21 [ 14 ] |
Die nebenstehende Tabelle stellt die Anteile von Lignin, Cellulose und Hemicellulosen bei verschiedenen Biomasserohstoffen dar. Dabei handelt es sich vor allem um kommerziell relevante Hölzer und lignocellulosehaltige Reststoffe.
Lignin als ZellwandverstÀrkung
Pflanzliche ZellwĂ€nde bestehen aus Cellulosefibrillen, die in eine Matrix aus Pektinen, Hemicellulosen, Proteinen und Lignin eingebunden sind. Dabei lagern sich die CellulosemolekĂŒle aus jeweils etwa 80 EinzelmolekĂŒlen parallel zu so genannten Elementarfibrillen bzw. MicellarstrĂ€ngen zusammen, die durch WasserstoffbrĂŒcken stabilisiert werden. Jeweils 20 dieser MicellarstrĂ€nge bilden gemeinsam eine Mikrofibrille mit einem Durchmesser von etwa 20 bis 30 Nanometer. Die Mikrofibrillen wiederum können sich zu Makrofibrillen mit einem Durchmesser von etwa 400 Nanometern zusammenlegen, dabei entstehen ZwischenrĂ€ume von etwa 10 Nanometern, die als interfibrillĂ€re RĂ€ume bestehen bleiben. Die interfibrillĂ€ren RĂ€ume dienen unter anderem dem Wassertransport in der Zellwand, auĂerdem werden in diese ZwischenrĂ€ume gröĂere MolekĂŒle wie Hemicellulosen, Pektine und Lignin zur Festigung der Cellulosestruktur eingelagert (Inkrustierung).cite-ref-l-ttge-217-15-0[15]
Bei den meisten pflanzlichen Geweben betrĂ€gt der Ligninanteil nur etwa 1 Prozent, bei aufgrund von Druckbelastungen verholzten Pflanzenteilen kann er ĂŒber 30 Prozent der Gesamtmasse betragen; man spricht in diesen FĂ€llen von Lignocellulose. Neben Lignin können verschiedene mineralische Substanzen fĂŒr die Inkrustierung zustĂ€ndig sein, darunter etwa Silikate bei GrĂ€sern, RiedgrĂ€sern und Schachtelhalmen oder Calciumcarbonat bei Kalkalgen.cite-ref-sitte-95-5-2[5]
Bei einer Verholzung wird die ursprĂŒngliche Zellwandmatrix durch das Ligninpolymer mit den eingelagerten Cellulosefasern ersetzt. Die Cellulosefasern sind dabei so dicht in das Polymer eingepackt, dass sie sich nicht mehr gegeneinander verschieben können und ihre QuellfĂ€higkeit verlieren.cite-ref-sitte-95-5-3[5] Eine besondere Form der Verholzung findet im sogenannten Reaktionsholz statt: Holzbereiche, die besonders starken Belastungen ausgesetzt sind, verstĂ€rken sich kontinuierlich. Diese Reaktion fĂ€llt allerdings unterschiedlich aus; bei waagerecht wachsenden Ăsten der NadelbĂ€ume kommt es beispielsweise aufgrund der Druckbelastung verstĂ€rkt zu einer Verholzung der Astunterseite durch ligninreiches Druckholz. LaubbĂ€ume hingegen verstĂ€rken bei der gleichen Beanspruchung vor allem die Astoberseite mit cellulosereichem Zugholz ohne Ligninanteile.cite-ref-sitte-95-5-4[5]
Xylemverholzung
Druckbeanspruchung entsteht nicht nur bei Konstruktionselementen, sondern auch in den Bereichen der Pflanze, die einem hohen Innendruck standhalten mĂŒssen. Dies ist vor allem in den Leitbahnen fĂŒr den Wassertransport im Stamm und in den Wurzeln gegeben, da hier das Wasser entgegen der Schwerkraft transportiert wird und auf die umliegenden Gewebe drĂŒckt. Entsprechend bilden sich hier Verholzungen, die zu Zellwandröhren mit hohem Ligninanteil fĂŒhren. Der wasserabweisende (hydrophobe) Charakter ist bei dieser Funktion eine wesentliche Eigenschaft, da er ein Austreten des Wassers aus den Leitbahnen in das umgebende Zellgewebe verhindert und somit den Wassertransport ĂŒber weite Strecken zulĂ€sst.
Diese wasserleitenden Elemente des Xylems, die aufgrund ihrer GröĂe und ihres Aufbaus in Tracheen und Tracheiden unterschieden werden, können bei Landpflanzen gemeinsam mit dem xylemverstĂ€rkenden Sklerenchym zu den wichtigsten tragenden Strukturen gezĂ€hlt werden.cite-ref-sitte-95-5-5[5]
Biosynthese
Biosynthese der Ligninvorstufen
Das Lignin ist ein Abkömmling der Phenylpropanoide, die sich selbst wiederum vom L-Phenylalanin ableiten. Durch Abspaltung von Ammoniak durch eine Phenylalanin-Ammoniak-Lyase (PAL) (EC 4.3.1.5) entsteht aus dem Phenylalanin eine ZimtsĂ€ure. Diese wird durch weitere Enzyme zu p-Coumaryl-Coenzym A umgesetzt. Diese Verbindung ist das Ausgangsprodukt fĂŒr weitere Modifikationen, beispielsweise Hydroxylierungen am Aromatenring und nachfolgenden Methylierungen.cite-ref-marjamaa-16-0[16] Im letzten Schritt werden die an Coenzym A gebundenen Zwischenprodukte durch eine zinkhaltige Cinnamalkohol-Dehydrogenase (CAD) (EC 1.1.1.195) zu den Monolignolen reduziert, wobei immer NADPH als Reduktionsmittel verwendet wird.cite-ref-sitte-353-3-2[3] Diese zur Biosynthese von Lignin fĂŒhrenden Alkohole sind p-Cumarylalkohol (H-Einheit), Coniferylalkohol (G-Einheit) und Sinapylalkohol (S-Einheit).cite-ref-michal-17-0[17]
Die Zusammensetzung der Lignine hĂ€ngt vor allem vom MengenverhĂ€ltnis der einzelnen Monolignole und den Reaktionsbedingungen ab.cite-ref-michal-17-1[17] In Bedecktsamigen Pflanzen ist das Lignin insbesondere aus Sinapyl- und Coniferylalkohol aufgebaut, in Nacktsamigen Pflanzen dominiert Coniferylalkohol, und GrĂ€ser verwenden alle drei Monolignole. Eine SchlĂŒsselfunktion kommt dabei der CAD zu, die durch ihre unterschiedliche SubstratspezifitĂ€t wahrscheinlich fĂŒr die unterschiedlichen Anteile der Alkohole in den verschiedenen Pflanzengruppen verantwortlich ist: CAD aus Bedecktsamigen Pflanzen und GrĂ€sern reduziert alle drei Zimtaldehyde, wĂ€hrend fĂŒr das CAD aus Nacktsamigen Pflanzen Sinapylaldehyd nur ein schlechtes Substrat darstellt und entsprechend weniger stark umgesetzt wird.cite-ref-sitte-353-3-3[3]
Ligninsynthese
1948 konnten Karl Freudenberg und Mitarbeiter ein kĂŒnstliches Lignin (Dehydrisierungspolymerisat) aus Coniferylalkohol und einem Extrakt aus Agaricus campestris (Feldchampignon) herstellen. Ein spĂ€ter aus Fichtenholz isoliertes Lignin zeigte Ă€hnliche chemische und physikalische Eigenschaften wie das kĂŒnstliche Lignin. Insofern wurde damit indirekt nachgewiesen, dass Coniferylalkohol ein wesentlicher Baustein bei der Fichtenligninbildung ist. Weitere In-vivo-Untersuchungen mit radioaktiv markiertem Coniferylalkohol bzw. Coniferin bestĂ€tigten, dass bei der Biogenese des Lignins diese Bausteine eine wesentliche Rolle spielen. Mit diesen Untersuchungen wurde ein Durchbruch in der Ligninforschung erzielt.
Aufgrund der Zusammensetzung aus den einzelnen Bausteinen und den vielfĂ€ltigen Polymerisierungsmöglichkeiten können Lignine unterschiedlichste Aufbauten besitzen und bilden entsprechend eine ganze Klasse von Verbindungen.cite-ref-l-ttge-217-15-1[15] Sie werden erst in den interfibrillĂ€ren RĂ€umen aus den als Vorstufen dienenden Alkoholen aufgebaut. Wie aber die Monolignole aus der Zelle exportiert werden, ist noch nicht ganz geklĂ€rt. Wahrscheinlich werden diese als Glucoside â Glucocumarylalkohol, Coniferin und Syringin â nach auĂen transportiert.cite-ref-pbc-7-1[7] Hierbei werden die Alkohole ĂŒber ihre phenolische OH-Gruppe ÎČ-glycosidisch an Zucker (Glucose) gebunden und sind in dieser Form in Wasser besser löslich. So können die MolekĂŒle durch das Plasmalemma und den Apoplast der Zelle transportiert werden und in die Cellulose-ZwischenrĂ€ume infiltrieren. SchlieĂlich werden durch ÎČ-Glycosidasen der Zellwand die ZuckermolekĂŒle abgespalten. Solche ÎČ-Glycosidasen wurden bereits in manchen Pflanzen identifiziert.cite-ref-marjamaa-16-1[16] Ob die Monolignole passiv durch die Zellwand diffundieren oder durch ein Transportsystem nach auĂen gelangen, ist noch Gegenstand der Forschung.
Die exportierten Monolignole werden dann ĂŒber eine enzymatische Oxidations-Polymerisations-Reaktion spontan zu einer amorphen dreidimensionalen Struktur verknĂŒpft.cite-ref-karlson-18-0[18] Hierbei beginnt die Lignifikation an Ecken und der Mittellamelle von Xylemzellen. Den Polymerisationsprozess katalysieren extrazellulĂ€re Peroxidasen aus Wasserstoffperoxid bzw. Laccasen aus Sauerstoff, dabei werden Phenoxyradikale gebildet. Woher indessen das Wasserstoffperoxid stammt, ist noch unklar.cite-ref-pbc-7-2[7] Das einzelne Elektron ist ĂŒber das gesamte MolekĂŒl delokalisiert und stabilisiert.cite-ref-karlson-18-1[18] Dies ermöglicht verschiedene KnĂŒpfungspunkte fĂŒr die Bildung des netzartigen Lignins. Lignin enthĂ€lt chirale Zentren, mit herkömmlichen Methoden kann jedoch keine optische AktivitĂ€t nachgewiesen werden.cite-ref-19[19]
Die Lignineinlagerung verlĂ€uft in drei Phasen. In der ersten Phase lagert sich das MakromolekĂŒl in die Zellecken und die Mittellamelle, nachdem die Pektineinlagerung in die PrimĂ€rwand abgeschlossen ist. AnschlieĂend erfolgt eine fortschreitende Verholzung der S2-Schicht der SekundĂ€rzellwand. Die Hauptlignifizierung erfolgt nach der Ausbildung der Cellulose-Mikrofibrillen in der S3-Schicht. Innerhalb der drei Phasen und damit in den unterschiedlichen Schichten variiert die Zusammensetzung der Lignine.cite-ref-sitte-353-3-4[3]
Gentechnische VerÀnderung der Lignin-Biosynthese
Da die Entfernung des Lignins aus dem Holz fĂŒr die Zellstoffproduktion und vor allem fĂŒr die Herstellung von Biokraftstoffen (Cellulose-Ethanol)cite-ref-23[23] zu den aufwĂ€ndigsten Produktionsschritten gehört, gibt es verschiedene BemĂŒhungen, die Ligninmenge bereits im Holz durch grĂŒne Gentechnik zu reduzieren. Dies geschieht vor allem durch Eingriffe in die fĂŒr die Synthese der Monomere notwendigen Gene, unter anderem durch âAusschaltenâ der Cinnamalkohol-Dehydrogenase (CAD) und der KaffeesĂ€ure-O-Methyltransferase (COMT) durch Antisense-RNA.cite-ref-pilate-24-0[24]
Die entsprechenden Techniken befinden sich aktuell vor allem an Pappeln und Weiden noch in der Erforschung fĂŒr den Anbau in Kurzumtriebsplantagen und wurden fĂŒr die technische Umsetzung noch nicht realisiert, eine effektivere Delignifizierung im Zellstoffprozess konnte jedoch bereits nachgewiesen werden.cite-ref-pilate-24-1[24] Allerdings wurde festgestellt, dass der Effekt der Ligninreduktion nicht gleichmĂ€Ăig ist, und UmwelteinflĂŒsse wahrscheinlich einen gröĂeren Einfluss auf die Ligninproduktion haben als die GenverĂ€nderung.cite-ref-25[25]
Ligninabbau
Lignin kann sowohl biologisch als auch durch verschiedene chemisch-technische Verfahren abgebaut werden. Beim biologischen Ligninabbau wird Holz durch Bakterien und vor allem Pilze (Destruenten) zersetzt. Lange Zeit wurde davon ausgegangen, dass höher organisierte Lebewesen nicht zum Ligninabbau fĂ€hig sind, was bedeutet, dass alle holzfressenden Tiere auf Symbiose mit Mikroorganismen angewiesen sind. Inzwischen gilt es jedoch als gesichert, dass einige GliederfĂŒĂer ĂŒber entsprechende Enzyme verfĂŒgen, die sie höchstwahrscheinlich durch horizontalen Gentransfer erhalten haben.cite-ref-26[26] Der technische Lignin-Aufschluss ist dagegen Teil von Prozessen mit dem Ziel, Lignin und Cellulose im Holz zu trennen und unterschiedlich zu verwerten. Er spielt entsprechend vor allem bei der Zellstoffherstellung, der Holzverzuckerung und bei der Nutzung von Lignocellulose in der Bioraffinerie eine groĂe Rolle. Die gĂ€ngigen thermochemischen Methoden des technischen Ligninabbaus sind sehr energieaufwĂ€ndig, belasten die Umwelt und erzeugen Toxine.
Ist verarbeitetes und unbeschichtetes Holz ĂŒber einen langen Zeitraum Ultraviolettstrahlung ausgesetzt, so wird es oberflĂ€chlich geschĂ€digt, wobei vor allem das Lignin denaturiert wird. Im Falle direkter Bewitterung wird es nachfolgend vom Regenwasser ausgewaschen. Die OberflĂ€che wirkt dann schmutzig-grau. Wirkt kein Regenwasser ein, erhĂ€lt das Holz infolge der UV-Wirkung eine silbrig-weiĂe Farbe.
Biologischer Abbau
Lignin ist durch seine komplexe Vernetzung ein persistenter Naturstoff und kann von Destruenten nur sehr langsam zersetzt werden. Die Humusbildung des Bodens wird dabei gröĂtenteils durch den Ligninabbau gefördert.cite-ref-fuchs-27-0[27] Holz wird dabei in zwei teilweise parallel ablaufenden Fraktionen abgebaut: Cellulose wird in Form der BraunfĂ€ule abgebaut, bei der sich das Holz durch zurĂŒckbleibendes Lignin braun verfĂ€rbt, wĂ€hrend Lignin in Form der WeiĂfĂ€ule abgebaut wird, bei der sich das Holz hell verfĂ€rbt.
Beim biologischen Ligninabbau unterscheidet man zwischen dem Verwerten bereits gelöster Ligninfragmente und dem eigentlichen Abbau des Naturstoffes. Erstere können bereits von vielen Bakterien verwertet werden, insbesondere Actinomyceten und Streptomyceten. WeiĂfĂ€ulepilze wie der Zunderschwamm (Fomes fomentarius), der Graue Feuerschwamm (Phellinus igniarius), die Schmetterlings-Tramete (Trametes versicolor) und Phanerochaete chrysosporiumcite-ref-28[28] zerstören hingegen enzymatisch den Ligninanteil des Holzes, um ihr eigentliches Substrat, Cellulose bzw. Hemicellulosen, zu verwerten. Entsprechend verfĂ€rbt sich bei der WeiĂfĂ€ule das Holz weiĂ und wird faserig. Die meisten dieser Pilze bauen gleichzeitig das Lignin und die Kohlenhydrate ab (SimultanfĂ€ule), die Abbauraten sind ebenfalls Ă€hnlich hoch. Andere Pilze bauen den Ligninanteil anfĂ€nglich schneller ab, und es kommt zu einer Celluloseanreicherung (sukzessive WeiĂfĂ€ule). Dies findet man beispielsweise beim Mosaikschichtpilz (Xylobolus frustulatus) oder beim Wurzelschwamm (Heterobasidion annosum), der die RotfĂ€ule bei Fichten bedingt.cite-ref-29[29]
Der Ligninabbau findet dabei immer unter aeroben Bedingungen statt und ist sehr energieintensiv. Er kann entsprechend nicht als alleinige Kohlenstoff- und Energiequelle dienen.cite-ref-munk-30-0[30] Daher handelt es sich bei WeiĂfĂ€ulepilzen immer um einen Cometabolismus in Verbindung mit anderen Kohlenstoffquellen. FĂŒr den Abbau bilden die Pilze fadenförmige Hyphen aus, die das Lignin durchdringen. FĂŒr den Ligninabbau werden verschiedene Enzyme eingesetzt, die vom Pilz durch Exozytose in das Medium abgegeben werden und in das Lignin diffundieren.cite-ref-fuchs-27-1[27] Der Abbau des Lignins ist de facto eine Depolymerisierung und erfordert Peroxidasen und Laccasen, die sich in ihrer Wirkung synergetisch verhalten. DarĂŒber hinaus werden Sauerstoff, Coenzyme, Metalle und Komplexbildner benötigt.cite-ref-31[31]
Die Pilze setzen zunĂ€chst Glyoxal frei, das durch Sauerstoff durch eine Glyoxaloxidase zu OxalsĂ€ure und Wasserstoffperoxid (H2O2) oxidiert wird. H2O2 wird dann von einer Mangan-Peroxidase (MnP) (EC 1.11.1.13) zu Wasser reduziert, wĂ€hrend Mangan(II) (Mn2+) zu Mn3+ oxidiert wird. Mn3+ wird chelatisiert und dringt als kleines aktives Oxidans leicht in das Lignin ein. Mn3+ kann dort den phenolischen Bestandteilen des Lignins einzelne Elektronen entreiĂen, so dass ein Radikalkation gebildet wird. Dieses wird in mehrere BruchstĂŒcke gespalten,cite-ref-munk-30-1[30] hĂ€ufig in Benzaldehydderivate.cite-ref-hammel-32-0[32]
Das Radikal-Kation kann auch durch eine Lignin-Peroxidase (LiP) (EC 1.11.1.14) gebildet werden. LiPs sind HĂ€m-enthaltende Enzyme, die substituierte Aromaten, den Hauptbestandteil im Lignin, direkt oxidieren können. Nicht alle WeiĂfĂ€ulepilze kodieren jedoch fĂŒr LiPs.cite-ref-hammel-32-1[32] Die Peroxidase verbraucht Wasserstoffperoxid als Oxidationsmittel.
Laccasen (EC 1.10.3.2) schlieĂlich oxidieren hauptsĂ€chlich niedermolekulare BruchstĂŒcke des Lignins.cite-ref-munk-30-2[30] Sie können zwar generell phenolische Komponenten des Lignins enzymatisch angreifen. Da aber jene Komponenten nur 10 Prozent des Lignins ausmachen, wird das MakromolekĂŒl primĂ€r von den oben genannten Peroxidasen verwertet.cite-ref-martinez-33-0[33]
Beim Ligninabbau sind darĂŒber hinaus noch viele weitere Enzyme (Oxidoreduktasen, Dehydrogenasen) beteiligt.cite-ref-martinez-33-1[33]
Technischer Abbau
Zellstoffherstellung im Sulfat- und Sulfitprozess
â
Hauptartikel
:
Sulfatverfahren
und
Sulfitverfahren
Der technische Ligninabbau spielt vor allem bei der Zellstoffherstellung eine wichtige Rolle. Zur Produktion von Zellstoff muss das Lignin aus der Lignocellulose gelöst und entfernt werden. Dabei existieren unterschiedliche Verfahren fĂŒr den Celluloseaufschluss sowie fĂŒr die nachfolgende Zellstoffbleiche.
In etwa 80 Prozent aller Zellstoffanlagen erfolgt der Aufschluss ĂŒber das so genannte Sulfatverfahren, auch bekannt als Kraft-Prozess. Dabei erfolgt der Ligninabbau durch Hydrogensulfidionen (HSâ) in basischem Milieu bei etwa pH 13 durch den Einsatz von Natriumsulfid (Na2S) und Natriumhydroxid (NaOH) bzw. Natronlauge. Der Prozess dauert etwa zwei Stunden bei Temperaturen von etwa 170 °C, allerdings greifen die Ionen auch die Cellulose und die Hemicellulosen an, wodurch nur ein Teilaufschluss möglich ist. Die Ablauge dieses Verfahrens enthĂ€lt in ihrer Festsubstanz bei der Verwendung von Nadelhölzern etwa 45 Prozent und bei Laubhölzern etwa 38 Prozent des sogenannten Kraft-Lignins.
Eine Alternative stellt der Celluloseaufschluss im Sulfitverfahren dar, bei dem das Lignin durch eine Sulfonierung abgebaut wird. Als chemisch nicht exakt definiertes Umsetzungsprodukt des Lignins mit Schwefliger SÀure entstehen Ligninsulfonate, die Salze der LigninsulfonsÀure. Calciumsalze der LigninsulfonsÀure entstehen beim Aufschluss des Holzes mit Calciumhydrogensulfit-Lösungen. Hier enthÀlt die Ablauge in ihrer Festsubstanz bei der Verwendung von Nadelhölzern etwa 55 Prozent und bei Laubhölzern etwa 42 Prozent in Form von Ligninsulfonat.
Lignin ist fĂŒr das Vergilben von Papier verantwortlich, das daher mit ligninabbauenden Enzymen wie der Laccase gebleicht werden kann. Gebleicht wird allerdings vor allem ĂŒber eine Chlorbleiche bzw. heutzutage meistens âchlorfreiâ mit Sauerstoff, Chlordioxid, oder seltener Wasserstoffperoxid bzw. Ozon. In beiden FĂ€llen werden das Restlignin sowie vorhandene Farbstoffe im Zellstoff oxidativ abgebaut. Dies ist vor allem bei holzhaltigem Papier relevant, weniger bei holzfreiem. Die Begriffe holzhaltig und holzfrei sind zwar im Handel und umgangssprachlich ĂŒblich, technisch jedoch unsinnig, da Papier aus dem Rohstoff Holz in jedem Fall Holzbestandteile enthĂ€lt. Bei holzfreiem Papier sind dies eben nur die Cellulose und die Hemicellulosen, bei holzhaltigem der ligninhaltige Holzstoff. Korrekt wĂ€ren daher die Begriffe ligninhaltig und ligninfrei.
Holzverzuckerung
Zur Transformation von Holz zu verwertbaren Zuckern (Holzverzuckerung) werden unterschiedliche chemische, hydrothermische und enzymatische Prozesse angewandt, die das Lignin aus dem Holz entfernen und die Cellulose verfĂŒgbar machen.
Historisch bedeutsam sind vor allem technische Anwendungen unter Einsatz von SĂ€uren, vor allem von SalzsĂ€ure (HCl) oder verdĂŒnnter SchwefelsĂ€ure (H2SO4), in denen das zerfaserte Holz gekocht wird. Dabei lagern sich WassermolekĂŒle an die Cellulose und bilden Oligosaccharide, vor allem Di- oder Trisaccharide, unter anderem mit Glucoseanteil. Aufgrund der im Holz neben der Cellulose vorhandenen Hemicellulose und des Lignins entstehen Nebenprodukte bzw. Verunreinigungen, die das Ergebnis fast ausschlieĂlich zur Produktion zu Alkohol (aus Hexosen) und Hefe (aus Pentosen) verwendbar machen. Zeitweise wurde so der Holzbranntwein erzeugt. FĂŒr die Verwendung in der chemischen Industrie muss die Lösung aufwendig gereinigt und entsalzt werden.
Ligninlösung fĂŒr die Bioraffinerie
Im Kontext der Entwicklung der Bioraffinerie soll die Verzuckerung ĂŒber spezielle Enzyme, die Cellulasen, auf biotechnologischem Weg stattfinden. Als Ergebnis erhofft man sich, möglichst reine Fraktionen der Cellulose zur weiteren Verzuckerung, der Hemicellulosen und des Lignins, um alle drei Bestandteile des Holzes weiterverwenden zu können.
Um die einzelnen Fraktionen möglichst rein und unbeschadet aus dem Holz zu bekommen, bedarf es einer speziellen Vorbehandlung. Diese erfolgt je nach technischem Weg unterschiedlich und kann beispielsweise auf der Behandlung mit Lösemitteln wie Ethanol (Organosolv-Verfahren) oder Ionischen FlĂŒssigkeiten, der Nutzung von Enzymen oder der Dampfbehandlung (Aquasolv-Verfahren) basieren.
Verwendung
Lignin wird â sieht man von der Verwendung in Form von Holz ab â vor allem als Koppelprodukt der Papier- und Zellstoffindustrie genutzt. Weltweit werden jĂ€hrlich aktuell etwa 50 Millionen Tonnen Lignin auf diese Weise produziert.cite-ref-kamm-ligno-34-0[34] Das anfallende Kraft-Lignin und die Ligninsulfonate sind dabei in den jeweiligen Ablaugen gelöst und können aus diesen extrahiert werden. Die Hauptverwendung fĂŒr beide Lignintypen besteht derzeit aus der energetischen Nutzung (also Nutzung der VerbrennungswĂ€rme), weitere Verwendungen liegen vor allem fĂŒr Lignosulfonate aus dem Sulfitverfahren vor.
GrundsĂ€tzlich unterscheiden sich die verschiedenen technischen Lignine in mehreren Eigenschaften, die ihre Nutzung beeinflussen können. Der wesentliche Unterschied liegt in der MolekĂŒlgröĂe: Kraft-Lignin hat eine molare Masse von 2000 bis 3000 g/mol, wĂ€hrend Lignosulfonate molare Massen von 20.000 bis 50.000 g/mol erreichen. Organosolv-Lignin liegt bei 1000 bis 2000 g/mol. Lignosulfonate enthalten zudem einen Schwefelanteil von 4 bis 8 Prozent und wenige phenolische Hydroxygruppen (âOH) gegenĂŒber 1 bis 1,5 Prozent Schwefelanteil und vielen phenolischen Hydroxygruppen beim Kraft-Lignin und vielen phenolischen Hydroxidionen (OHâ) ohne Schwefelanteil beim Organosolv-Lignin.cite-ref-gruber-1999-35-0[35]
Intensiv werden die Eigenschaften des durch oxidative Ammonolyse modifizierten Lignins als Humusersatzstoff untersucht.cite-ref-36[36] Die stickstoffhaltigen Lignine Ă€hneln in ihrer Struktur den Huminstoffen und eignen sich als DepotdĂŒnger. Die N-Lignine eignen sich auch fĂŒr die Rekultivierung von Bergbaufolgelandschaften.cite-ref-boku-ac-at-37-0[37]
Die direkte Verwendung technischer Lignine als Rohprodukte ist sehr eingeschrĂ€nkt, da es eine Reihe von Nachteilen gibt, die dieser entgegenstehen. So ist Lignin aufgrund seiner sehr komplexen Struktur und der damit verbundenen InhomogenitĂ€t nur sehr begrenzt fĂŒr Anwendungen einsetzbar, da in der Regel genauer definierte Eigenschaften des Rohmaterials erforderlich sind. Hinzu kommt der hohe Grad an Verunreinigungen in den Ablaugen sowie der hohe Schwefelanteil in den Lignintypen, die komplexe Reinigungsschritte erforderlich machen. Die dadurch sehr aufwĂ€ndige Gewinnung aus den Ablaugen fĂŒhrt dazu, dass ungereinigtes technisches Lignin bis jetzt im Wesentlichen nur fĂŒr geringerwertige Anwendungen wie die energetische Nutzung oder als unspezifische Klebstoffkomponente und als Dispergiermittel verwendet wird. DarĂŒber hinausgehende stoffliche Verwendungen liegen entweder in der direkten Verwendung von Ligninsulfonaten oder in der chemischen Modifikation durch die Anwendung von Pyrolyse, Hydrolyse oder Hydrogenolyse zur Herstellung verschiedener Chemikalien. Diese Wege sind ebenfalls aufwĂ€ndig und kommen daher nur selten zum Einsatz.cite-ref-gruber-1999-35-1[35]
Lignin in der energetischen Nutzung
Das bei der Papierherstellung vor allem im Sulfatverfahren in groĂen Mengen als Reststoff anfallende Lignin wird als Schwarzlauge vor allem als Brennstoff direkt in den Zellstofffabriken genutzt. Es dient neben der Energiegewinnung fĂŒr die Fabriken selbst mit einer Deckung von 80 bis 100 Prozent des Energiebedarfscite-ref-kamm-ligno-34-1[34] auch zur Gewinnoptimierung durch den Verkauf von WĂ€rme und ElektrizitĂ€t.
In der Herstellung von Holzpellets als EnergietrĂ€ger bildet das holzeigene Lignin das Bindemittel. Fein gemahlenes Holz wird beim Pressen erhitzt, das Lignin verflĂŒssigt sich und bindet die Holzpartikel beim AbkĂŒhlen zusammen. Frische Pellets riechen deshalb noch stark nach Lignin.
Einsatz von Ligninsulfonaten
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Hauptartikel
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Ligninsulfonat
GroĂe Mengen an Ligninsulfonaten werden in einem breiten Spektrum von Anwendungen eingesetzt, in denen man vor allem ihre Eigenschaften als Polyelektrolyt, ihre Adsorptionswirkung, die geringe ViskositĂ€t und die dunkle Farbe nutzt. Sie sind physiologisch und fĂŒr die Umwelt relativ unbedenklich, wodurch sie auch in sensiblen Bereichen verwendet werden. Der Hauptanteil der Produktion von etwa 1.000.000 Tonnen pro Jahr (jato)cite-ref-38[38] findet Verwendung als Dispergiermittel in Beton und Zement (ca. 100.000 jato), als Zusatz zu BohrflĂŒssigkeiten (ca. 100.000 jato) sowie als Bindemittel in Pellets fĂŒr Tiernahrung, in DĂŒngemitteln und anderen Agrochemikalien, Spanplatten, Briketts sowie in Drucktinte und GieĂsandkernen. AuĂerdem werden Lignosulfonate als Papieradditiv, als Dispergier- und Emulgiermittel in Lacken und Farben sowie als Zuschlagstoff in Gips und Gerbstoffen eingesetzt.cite-ref-gruber-1999-35-2[35]
Neuere Entwicklungen in der Lignosulfonat-Chemie nutzen die polyelektrolytischen Eigenschaften des Lignins und zielen auf einen Einsatz in der Medizin, der Feinchemie und der Verbesserung der Bodenwasserspeicherung.
Lignin als Biowerkstoff
Lignin stellt als Naturstoff ein hochkomplexes MakromolekĂŒl (Polymer) dar, eine Nutzung dieser Struktur als Biowerkstoff bietet sich entsprechend an. Das Kraft-Lignin aus dem Sulfatprozess der Papierherstellung muss aber zunĂ€chst gereinigt werden, daher gibt es bis heute erst wenige AnsĂ€tze, auf Lignin basierende Polymere herzustellen.
Im Jahr 1998 wurde von der Firma Tecnaro ein natĂŒrlicher Biowerkstoff entwickelt, der den Namen Arboform erhielt und allgemein als âFlĂŒssigholzâ bezeichnet wird. Er basiert auf Lignin, dem Naturfasern wie Flachs oder Hanf beigemischt werden, und kann mit etablierten Kunststoffverarbeitungsformen verarbeitet werden, insbesondere im Spritzguss, der Extrusion, in Pressverfahren sowie durch Tiefziehen und Blasformen.cite-ref-39[39]cite-ref-40[40]
Sowohl das Lignin als auch verschiedene Ligninderivate können als Bausteine in Duroplasten oder in Kunststoffen als FĂŒllstoffe eingesetzt werden. Sie wirken hierbei als Phenolharzkomponente. Durch die Reaktion mit Epichlorhydrin können Epoxidharze hergestellt werden, die bei einer Kondensierung mit Alkalilignin in Polyalkoholen resultieren. Mit Isocyanaten lassen sich diese zu Polyurethanen umsetzen. Bei der Reaktion des Lignins mit Formaldehyd entstehen Phenoplaste, und bei der Vernetzung mit Copolymeren wie Harnstoff, Melamin und Furanen ĂŒber Formaldehyd entstehen verschiedene Harze (Harnstoff-Formaldehyd-Harze, Melaminharze, und Furanharze bzw. Syntactics). Insbesondere ligninbasierte Phenoplaste stellen eine potenzielle Alternative zu gesundheitlich bedenklichen Phenolen und Formaldehyd als Bindemittel in Spanplatten und anderen Holzwerkstoffen dar; durch ihre hochmolekulare Struktur sind sie weniger flĂŒchtig und löslich, zudem werden sie als physiologisch unbedenklich eingestuft.cite-ref-gruber-1999-35-3[35]
Lignin wird an der TU Hamburg als Ausgangsmaterial fĂŒr die Erzeugung eines Aerogels genommen, das als DĂ€mmstoff eingesetzt werden kann.cite-ref-41[41]
Lignin in der chemischen Industrie und Bioraffinerie
Obwohl Lignin keine groĂe Rolle bei der Herstellung von Chemikalien spielt, wird dem Rohstoff fĂŒr die Zukunft ein groĂes Potenzial prognostiziert. Insbesondere in den letzten Jahren konzentrierte sich die Forschung auf die Nutzung des Lignins der Zellstoffindustrie und der (noch hypothetischen) Bioraffinerie. Ziel der Forschung ist es, möglichst hochwertige Produkte aus dem Lignin zu gewinnen.cite-ref-kamm-ligno-34-2[34]cite-ref-42[42]cite-ref-43[43]
Bereits jetzt wird Lignin zur Herstellung von Vanillin verwendet, das als naturidentischer Geschmacksstoff fĂŒr Vanille eingesetzt wird. Es entsteht bei der Oxidation von Ligninsulfonaten, die wiederum durch die saure Hydrolyse aus Lignin gewonnen wird. Ăber eine Alkalischmelze lassen sich aus Lignin verschiedene Phenole, CarbonsĂ€uren, Teer und Dimethylsulfid (DMS) herstellen. Die Herstellung von DMS ist zudem ĂŒber eine alkalische Demethylierung möglich und kann weiteroxidiert werden zu Dimethylsulfoxid (DMSO), einem wichtigen Lösungsmittel. Durch Hydrogenolyse wiederum können ebenfalls Phenole, Teer, Benzol und Ăle hergestellt werden.cite-ref-kamm-ligno-34-3[34]
Eine wichtige Option zur zukĂŒnftigen Nutzung des Lignins stellt zudem die Pyrolyse dar, ein Verfahren zur thermischen Spaltung organischer Verbindungen bei hohen Temperaturen. So lassen sich durch Pyrolyse bei Temperaturen von 400 bis 500 °C Phenole, Methan, Kohlenmonoxid und Aktivkohle gewinnen. Bei Temperaturen von 700 bis 1.000 °C lĂ€sst sich Lignin zu Syngas, Ethen und Benzol spalten, und bei einer Lichtbogen-Pyrolyse entsteht Acetylen.cite-ref-kamm-ligno-34-4[34]
Energiespeicherung
Die chemischen Eigenschaften von Lignin in Kombination mit seiner Umweltfreundlichkeit, seiner weiten VerfĂŒgbarkeit und seinen niedrigen Kosten machen Lignin zu einem vielversprechenden Rohstoff fĂŒr metallfreie Redox-Flow-Batterien zur Energiespeicherung, insbesondere fĂŒr die stationĂ€re Speicherung von Strom aus erneuerbaren Energien.cite-ref-44[44] 2022 gaben Northvolt und Stora Enso bekannt, kĂŒnftig âholzbasierte Batterienâ entwickeln zu wollen.cite-ref-45[45]cite-ref-46[46]
Literatur
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Weblinks
Commons
: Lignin
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Lignin
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Einzelnachweise
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